Barrierefreiheit im Tattoo-Studio – Warum Zugang mehr ist als eine Rampe

Tätowieren und Piercen sind für viele Menschen ein sehr persönlicher Schritt.
Es geht um Identität, um Geschichten und um das eigene Leben, das man bewusst sichtbar macht!

Was dabei oft übersehen wird:
Für Menschen mit körperlichen Einschränkungen ist der Weg dorthin manchmal deutlich komplizierter.

Nicht wegen der Idee eines Tattoos oder Piercings, sondern wegen der Frage: Komme ich dort überhaupt rein?

Die unsichtbare Hürde: Scham und Unsicherheit

Ich habe mich in den vielen Jahren mit Kunden im Rollstuhl unterhalten und nachgefragt. Menschen mit körperlichen Einschränkungen tragen ein Gefühl mit sich herum, das man von außen oft gar nicht wahrnimmt: Unsicherheit oder Scham. Ich hatte oft das gegenteilige Gefühl, ich dachte oft´wow…krass selbstbewusst und tough – meist nur Fassade.

Nicht unbedingt wegen der eigenen Situation, sondern wegen der möglichen Reaktionen anderer.

  • „Passe ich dort überhaupt rein?“

  • „Störe ich vielleicht den Ablauf?“

  • „Ist das Studio überhaupt auf mich vorbereitet?“

  • „Fühlen sich die Leute dort unwohl, wenn ich im Rollstuhl komme?“

Diese Gedanken sind real und sie führen leider viel zu oft dazu, dass Menschen ihre Wünsche zurückstellen. Auch den Wunsch nach einem Tattoo oder einem Piercing.

Tattoos sollten für alle Menschen möglich sein

Ein Tattoo ist kein Privileg für bestimmte Körper, es ist eine Form von Ausdruck und genau deshalb sollte es für jeden Menschen zugänglich sein.

In meinem Studio erlebe ich regelmäßig Kundinnen und Kunden, die mit Rollstuhl, Krücken oder anderen Hilfsmitteln zu uns kommen. Für uns ist das nichts Außergewöhnliches, sondern einfach ein Teil unseres Alltags. Der Eingang meines Studios ist so gestaltet, dass Menschen mit körperlichen Einschränkungen problemlos hineinkommen können.

Die Hauptarbeitsplätze befinden sich zwar in der ersten Etage über dem Shop, aber genau deshalb arbeiten wir flexibel. D.h. wenn jemand nicht die Treppe nutzen kann, wird der Arbeitsplatz einfach nach unten verlegt. Tätowierer und Piercer passen sich der Situation an und nicht umgekehrt.

Denn am Ende geht es um eines: Jeder Mensch sollte seinen Wunsch nach Individualität ausleben!

Ein Beispiel aus unserem Alltag

Auf den Bildern, die ich diese Woche teile, sieht man meinen Mitarbeiter Jack Matisse, wie er einen Kunden im Rollstuhl tätowiert.

Für uns ist das kein besonderer Moment, der hervorgehoben werden muss. Es sollte Normalität sein. Ein Kunde kommt ins Studio, wir besprechen das Motiv und beginnen mit der Arbeit… genauso wie bei jedem anderen Termin auch und genau so sollte es sein.

Empathie statt Sonderbehandlung

Barrierefreiheit bedeutet nicht, jemanden anders zu behandeln. Es bedeutet für mich, die Bedingungen so zu gestalten, dass niemand ausgeschlossen wird. Mit ein bisschen Organisation, einem offenen Blick und einer Portion Menschlichkeit lässt sich vieles möglich machen. Ich denke manchmal reicht es schon, sich Zeit zu nehmen, zuzuhören und den Ablauf gemeinsam anzupassen.

Ein Kunde im Rollstuhl lässt sich im Autark Tattoo Studio Berlin Charlottenburg tätowieren. Durch flexible Arbeitsplätze können Tätowierer auch Menschen mit körperlichen Einschränkungen professionell tätowieren.

Im Autark Tattoo Studio Berlin sind Tattoos auch für Menschen mit körperlichen Einschränkungen möglich.

Vielleicht kennst du jemanden …

Vielleicht kennst du jemanden, der schon lange über ein Tattoo oder ein Piercing nachdenkt. Der oder die sich bisher aber nie so richtig getraut hat, ein Studio zu betreten. Nicht wegen der Idee, evtl. wegen der möglichen Hürden.

Ich würde dich bitten, dieser Person gern von uns zu erzählen, denn wir versuchen, den Zugang zu unserer Arbeit für möglichst viele Menschen möglich zu machen und zwar ganz egal, ob du auf zwei Beinen kommst, auf vier Rädern unterwegs bist oder gerade mit Krücken durch den Alltag gehst.

Am Ende zählt nur eines

Ein Tattoo erzählt immer eine Geschichte und diese Geschichte gehört dem Menschen, der sie trägt. Weder seinem Körperzustand noch seinen Einschränkungen.

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