Es ist Dienstag der 21.7. und ich sitze nahe zur Grenze Bosnien Herzegowinas in Südkroatien. Warst du schon einmal hier ? Ich kenne dieses Land nur aus den Nachrichten, als Kriegsgebiet. Ich habe zusammen mit meiner Frau trotz Corona entschieden, in die Sonne zu fahren. Natürlich gibt es wieder einen Blog-Artikel! Das diesige Thema widme ich den Tattoo-Conventions.

“Ohne Tasche äh … Convention keine Competition”

Genau dieser Spruch, er brannte sich in mein Gedächtnis ein, war damals der Knaller von Germanys Next Topmodel und so ähnlich gehts uns, wenn es um Tattoo Conventions bzw. Tattoomessen geht. Normalerweise wäre nun die 30. Berliner TattooConvention unter der Leitung von Frank Weber in der Arena.

Dies Jahr, wie schon so oft behandelt, ist alles anders. Wir sind froh und genießen die Zeit im Studio. Niemand weiss, was Richtung Herbst/Winter passieren wird. Normalerweise würde ich mit dem A-Team im Oktober nach Paris und November nach Brüssel fliegen.

Warum sind Messen so wichtig?

Seit meinem Karrierebeginn fahre und besuche ich Tattooconventions. Mein Einstieg war damals direkt in Berlin, es war tiefster Winter, ich glaube sogar, der letzte starke Winter mit sehr hohem Schneeaufkommen! Messen sind etwas ganz besonderes. Es gibt welche, auf der jeder einen Stand buchen kann und es gibt die Creme de la creme. Ich persönlich bevorzuge Messen, für die man sich regelrecht bewerben oder sogar eingeladen werden muss. Nicht das ich ein Fan von abgehobenen Kreisen bin, jedoch ist mein Qualitätsanspruch sehr hoch und ich möchte mich mit anderen Kollegen austauschen oder spaßeshalber herausfordern. Am Ende ist immer der Spass wichtig. Ich habe in den Jahren viele tolle Kollegen und Menschen kennengelernt.

Was habe ich aus der Kundensicht von diesen Veranstaltungen?

Nun ja, früher war es problemlos möglich, sich auf Messen von auserwählten Tattookünstlern spontan tätowieren zu lassen. Dies ist heutzutage eher weniger oder nur durch Glück zugänglich. Wenn du also planst, dich von einem ausländischen Tätowierer tätowieren zu lassen, mach dich schlau wo du ihn triffst! Ansonsten kannst du auf den Veranstaltungen lustige Lach und Sachgespräche führen oder dich inspirieren lassen. Ich selbst würde mich allerdings nie spontan auf einer Messe tätowieren lassen. AUßER! Du kennst deinen Tätowierer persönlich und du hast ein sehr großes Vertrauen in ihn. Somit kannst du Eskapaden und Problemen aus dem Weg gehen.

Eskapaden und Probleme?

Hach, ich liebe es von diesem Teil zu berichten! In den vielen Jahren und vielen Conventions, die ich mitgemacht habe…erlebte ich so tolle einzigartige Stories;) Und dies Jahr? Eine Ausnahme habe ich, die war vor dem Beginn von Corona, es handelt sich um die Tattoo Expo Zwickau. Meine Herzensmesse von meinem Kollegen Randy Engelhardt. Genau auf dieser hatten wir das vorletzte Mal mitten in der Nacht einen Feuerwehreinsatz auf der Aftershowparty. Ausgelöst durch den Koch beim Livekochen.
Wenn man nicht grad nach dem Feierabend brav ins Bett geht, kann man das eine oder andere Bier oder Shot vernichten. In Dortmund habe ich definitiv mein Highlight von allem erlebt. Ich war damals noch in einem sehr bekannten Tattoostudio Berlins tätig und wir waren gefühlt fast alle aus Berlin angereist. Ich muss allerdings vorn anfangen!
In Dortmund angereist teilte ich mir mein Zimmer mit meinem Ex-Kollegen A. Wir beide waren so vertraut und gut miteinander, dass wir uns ohne Probleme das Bett teilten. A. war der Meinung, er müsse nicht mal eine Shorts tragen. Am Freitag meinte er zu mir, er hat sich über Tinder eine “Mausi” klargemacht. Ich freute mich für ihn bis zu der Sekunde, dass er meinte, er nehme sie mit ins Zimmer. Meine direkte Reaktion war” Dicker, du kannst die gerne pimpern, jedoch nicht in dem Bett, wo ich ebenso drin schlafe! was stimmt denn mit dir nicht, ich penn doch nicht in deinem Sperma ?!?!? A. hatte Verständnis und wanderte zum Parkplatz ab. Ich hatte meine Ruhe. Am Samstag waren wir wieder normal arbeiten und hatten Spaß mit den anderen Kollegen. In diesem Jahr lernte ich meinen Kumpel Jann von damals Lebenslänglich in Essen kennen. Abends…oh we… kam die weitere Bagage von uns aus Berlin und es gab keine Hotelzimmer mehr. Wir machten auf dem Teppichboden Platz. Die Gläser wurden zusammengestoßen, es folgte ein Shot nach dem anderen…es verging die Zeit wie im Flug. Je später die Nacht, desto bescheuerter die Ideen. Mein Kollege A. schlief schon allein im Zimmer und ich war unten in der Lobby mit anderen. Mein anderer Kollege, ein Piercer, wollte von mir unbedingt ein klassisches Tattoo von Hand gestochen haben. Wir entschieden uns, vollgetrunken, in mein Zimmer hochzugehen und A. zu überraschen und den Piercer von Hand zu tätowieren. Mein Kollege der Piercer machte sich vor dem Zimmer komplett nackt und wollte A. (nackt schlafend im Zimmer, was der Piercer nicht wusste) ärgern und ihm sein Gemacht ins Gesicht drücken. Was dann folgte, war eher eine Szene im Porno…Beide waren völlig überrascht vom anderen und angeekelt plötzlich im Schoß des anderen zu sitzen. Für uns umstehende ein Bild, was definitiv nie aus meinem Kopf verschwindet, ohne zu lachen. Der Piercer wollte nun sein Tattoo am Arm bekommen, er war nackt.Warum auch immer noch… Als ich fertig war mit seinem Wunsch ohne es auszusprechen, hatte ich noch eine wunderschöne Idee. Ich war schon mit “I love F” fertig, darauf meinte ein dabeistehender Kollege:”AAAAlter echt jetzt????” Mein Kollege der Piercer flippte völlig aus und beschimpfte mich. Nach einem kurzen Aufreger durfte ich es komplettieren “I LOVE FLO”. Wir feierten weiter, bis morgens um 7 und sammelten Kollegen aus den Büschen draußen wieder auf. Herrlich. Der Sonntag war sehr grausam, wir alle stanken nach Kneipe und waren Todesmüde. Wir zogen durch, machten unseren Job. Am Abend ging es qualvoll zurück nach Berlin.

Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser

Ich persönliche kenne mich und auch viele Kollegen. Ich kann für mich sprechen, wenn ich eine geplante Session habe, gibts kein bis 1 Bier am Abend und ich gehe tatsächlich früh schlafen. Warum? Weil ich mir so nichts vorwerfen kann, nicht in Bestform gewesen zu sein und das BESTE gegeben zu haben. Wenn ich kein Ziel oder Termin habe, solltest du dich in Acht nehmen. Meine Kollegen trinken nicht mehr mit mir. Ich animiere so schön und habe obendrauf noch richtig tolle Ideen für die anderen, die meist etwas gelitten aus der Nummer herauskommen.

Ich sitze nun im Sonnenuntergang im Dschungel und freue mich aufs nächste Jahr bei dem Gedanken, alle meine Kollegen aus der Welt wieder zu treffen!

Zukünftig fahre ich auf Messen, um die Bekanntschaften zu sehen. Competitions in dem Sinne, wie ich es mal betrieben habe, brauche ich nicht mehr. Ich holte  u.a.  in meiner Heimatstadt Berlin den 1. Platz in Black and Grey und 2 Jahre später ohne einen Stand dort zu haben den 3., ebenso in meinem Stil. Das war ein besonderes Happening, denn ich hatte gar keinen Stand auf dieser Messe. Die Regeln besagen jedoch nicht, dass das Tattoo auf der Messe gestochen sein musste. Mein Kunde Thommy und ich arbeiteten an seinem Bein im Studio weiter und fuhren dann mit dem Motorrad zum Veranstaltungsort.

Eingetragen, abgesahnt, abgehauen 😉

Vielen herzlichen Dank fürs Lesen und dein Interesse.

Mit den buntesten Grüßen

Flo und das gesamte A-Team.

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